Kaffee, Jazz und Kleidertausch – So feierten wir 25 Jahre Weltladen

Der Geruch von geröstetem Kaffee liegt im Raum. Sanfte Jazzmusik vermischt sich mit dem angeregten Geplauder der vielen Gäste, die sich an diesem Samstagmittag in den Räumen des CVJM versammelt haben, um ein ganz besonderes Geburtstagskind zu ehren: Der Weltladen in Brandenburg an der Havel wird 25 Jahre alt.

 

Ein Grund zum Feiern, denn selbstverständlich ist das nicht – gerade für ein gemeinnütziges Projekt, das nur von Freiwilligenarbeit getragen wird. Doch auf der langen Reise, von der Idee in einem INKOTA-Workcamp bis hin zum heutigen Laden in den Räumen des Wichernhauses, hatte das kleine Team ehrenamtlicher MitarbeiterInnen viele Unterstützer. „Unser Dank gilt deswegen all denjenigen Menschen, die diesen Weg mit uns gegangen sind“, sagt Frank Schwerin, Mitarbeiter im Weltladen und selbst von Anfang an dabei. In seiner Ansprache erinnert er an Fair-Handels-Gottesdienste, Krugparkfeste, den Umweltpreis für die gemeinsame Entwicklung des Apfel-Mango-Saftes mit der Mosterei Ketzür und nicht zuletzt die vielen Fairtauschpartys, die der Weltladen im Laufe der Jahre mit dem Bündnis 90/Die Grünen organisiert hat.

Eine solche Fairtauschparty soll es auch noch geben, später, im großen Saal des Wichernhauses. Es werden zahlreiche BrandernburgerInnen kommen um Mützen, T-Shirts, Röcke, Pullover und Hosen zu tauschen. Der Saal wird voll sein, flinke Hände werden zielstrebig nach neuen Lieblingsstücken greifen, sie sich vor den Körper halten: Passt dieses Hemd? Steht mir diese Farbe? Die Ladenmitarbeiterinnen sortieren derweil neu mitgebrachte Stücke an die Kleiderständer. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit werden hier nämlich aussortierte Sachen nicht in den Müll geworfen, sondern finden neue Besitzer.

Noch ist der Trubel aber fern. Noch gibt es den Sektempfang in kleinerem Kreis, mit Livemusik und einer äthiopischen Kaffeezeremonie. Während der Ansprache röstet der Kaffee schon in der Pfanne. Drei Frauen aus Äthiopien und Eritrea zeigen den Gästen, wie die Kaffeezubereitung in ihrer Heimat aussieht: schälen, trocknen, rösten, mahlen, kochen – von der Bohne zum Getränk ist es ein langer Weg. Mit dem einfachen Aufgießen von Kaffeepulver oder dem Knopfdrücken an der Kaffeemaschine hat die Zeremonie nicht viel zu tun. „Es war komisch für mich, wie sie den Kaffee hier in Deutschland machen“, erinnert sich eine der Frauen, während sie kleine Schälchen mit der dunklen Flüssigkeit füllt. Kaffeemaschinen gibt es in ihrer Heimat keine und Kaffee ist noch immer ein Luxusgut, auch wenn er vor Ort abgebaut wird.

Friederike Seim weiß das. Die Lehrerin war für einige Zeit dort und hat den Alltag der Menschen dokumentiert. „Kaffee ist für viele Bauern dort zu teuer. Wenn sie ihn mal trinken, dann mit Tee gemischt.“, erzählt sie ernst. Von dem Verkaufspreis hier in Deutschland kriegen sie auch nur wenige Prozent. Deshalb ist fairer Handel so wichtig: Die Produkte, die man im Weltladen kaufen kann, stammen aus Projekten, die für faire Löhne und gerechte Arbeitsbedingungen einstehen. Wer weiß, wie viele Päckchen fair gehandelten Kaffees in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten schon über den Ladentisch des Weltladens wanderten; jedes ein kleiner Beitrag zu mehr Gerechtigkeit in der Welt.

„Trotzdem ist fairer Handel bei weitem nicht so selbstverständlich, wie wir uns das wünschen würden“, räumt Frank Schwerin in seiner Ansprache ein, „deshalb möchten wir diesen 25. Geburtstag nutzen, um einen Ausblick zu wagen: Für die nächsten 25 Jahre wünsche ich mir, dass sich da noch was tut und das auch wir als Weltladen uns weiterentwickeln, um daran mitzuwirken.“ Gläser klirren und Kaffeebohnen knistern in der Pfanne. „Auf den Weltladen!“, prosten sich die Gäste zu; „Auf weitere 25 Jahre!“

 

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